Ganz persönlich

Der Autor und Mensch David Safier

Lebenslauf von David Safier

David Safier, 1966 geboren, zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der letzten Jahre. Nach seiner Journalistenausbildung sammelte er erste redaktionelle Erfahrungen im Hörfunk und Fernsehen. Seit 1996 verfasste er überwiegend Drehbücher, so etwa für «Nikola», «Himmel und Erde», «Die Camper», «Die Schule am See» sowie für «Mein Leben und ich». Die von ihm als Hauptautor entwickelte Sitcom «Berlin, Berlin» wurde 2003 mit dem Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie «Fiktion und Unterhaltung» ausgezeichnet. Zudem erhielt sie 2004 den bekannten US-amerikanischen Fernsehpreis Emmy.
Seine Romane "Mieses Karma", "Jesus liebt mich", "Plötzlich Shakespeare", "Happy Family", "Muh", "28 Tage lang" und "Mieses Karma hoch 2" erreichten Millionenauflagen. Auch im Ausland sind seine Bücher Bestseller.
David Safier lebt und arbeitet in Bremen, ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen Hund.

Interview mit David Safier

Das Arsenal des Unglaublichen, Phantastischen wächst bei Ihnen von Roman zu Roman. In Mieses Karma wurde reinkarniert, dass es eine helle Freude war; in Jesus liebt mich lässt sich der Weltenerlöser Joshua (ausgerechnet!) im schleswig-holsteinischen Malente nieder; in Plötzlich Shakespeare landet eine liebeshungrige Lehrerin im Körper des großen Dichters – und in Happy Family müssen die in Monster verwandelten Wünschmanns zwischen Berlin, Wien und Transsilvanien unglaubliche Abenteuer bestehen, bis sie wissen, worauf es wirklich im Leben ankommt. In Ihren Romanen geht es letztlich immer nur um eines: um Glück und Liebe. Sind Sie ein Romantiker des kleinen, privaten Glücks?

Eine lange Frage, aber da kann ich nur kurz und knapp aus vollem Herzen antworten: Ja!!!

Sie haben zwei Kinder (und einen Hund, auch wenn der kein Werwolf ist). Stellt sich die Frage: Wie viel Wünschmann steckt in den Safiers? Und wie viel Safier in den Wünschmanns?

Viel, aber verraten Sie das nicht meiner Familie :-) Und was genau, verrate ich lieber auch nicht :-)

Liegt man richtig in der Annahme, dass Sie als Kind Zauberei, Zirkus und Abenteuerromane geliebt haben (und es vermutlich heute immer noch tun)?

Zirkus und Zauberei nicht, aber ich habe schon im Vorschulalter durch Comics lesen gelernt und von da an Stund um Stund Abenteuergeschichten gelesen. Alles von den Drei ??? bis Spider-Man.

Eine nicht unbedeutende Rolle in Happy Family spielt eine nicht gerade unbekannte Autorin namens Stephenie Meyer. So richtig gut kommt sie in der Szene nicht weg, wo sie auf Emma Wünschmann und die Ihren trifft. Weshalb haben Sie sich für die Verwendung des Klarnamens entschieden und nicht für so was wie Geraldine Miller?

Also, schlecht wegkommen tut sie ja nicht zwingend, jedenfalls kommt Familie Wünschmann bei der Begegnung wesentlich schlechter weg. Wenn man sich Namen ausdenkt und dann sagt: «Das ist eine berühmte Bestsellerautorin», gibt es eine Verwirrung beim Leser, da er den erfundenen Namen nicht kennt. Da hat man dann eine Distanz und das Gefühl, das Ganze spielt nicht in unserer Welt. Meine Romane sind zwar verrückt, aber sie spielen alle in unserer Welt!

Ihre Leser lieben Sie für den freundlichen Humor Ihrer Bücher: schräge Gags, lustige Einfälle, klasse Sprüche. Fällt Ihnen das alles beim Schreiben ein, oder arbeiten Sie mit einer Art Zettelkasten, wo manches für die spätere Nutzung aufbewahrt wird?

Nein, das Ganze ist ja Komik, die aus den jeweiligen Situationen heraus entsteht, da hilft gar kein Zettelkasten, denn die Situationen ergeben sich beim Schreiben. Entsprechend auch die Dialoge, Gags, Seitenhiebe etc. Alles spontan, keine Resteverwertung.

Kann es sein, dass Sie mit einem ungemein positiven Weltbild gesegnet sind? Selbst üble Bösewichte wie der Satan oder Dracula (in Happy Family) werden mit nicht unfreundlichen Zügen ausgestattet. Müssen Sie das als Autor noch lernen: üblen Figuren, bösen Typen Zutritt zu Ihren Romanen zu verschaffen?

Nun, zum einen sind Schurken ja auch nur Menschen oder in Draculas Fall, Vampire. Und je menschlicher sie sind, desto stärker wirken sie für mich. Zum anderen: Richtig üble Figuren gehören in richtig üble Romane. Was das positive Weltbild betrifft: Ich neige selbst etwas zum Katastrophendenken, aber ich hoffe auf das Gute. Oder wie Alphaville einst bei «Forever Young» sangen «Hoping for the best, but expecting the worst.»

In Happy Family zitiert die Hexe Baba Yaga den berühmten Passus aus Tolstois Anna Karenina: «Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich. Jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Weise unglücklich.» Sehen Sie das so?

Ehrlich gesagt nein: Glück ist für jeden Menschen etwas anderes und daher auch für jede Familie.

Mussten/durften Sie viel Fantasy-Literatur lesen, um sich in die zu Monstern verzauberten Wünschmanns einfühlen zu können?

Nein, ganz und gar nicht, dafür habe ich in meinem Leben schon zu viel davon gelesen.

Zu Ihrem neuen Roman hat der Illustrator Ulf K. nicht nur das Cover beigesteuert, sondern auch viele Zeichnungen für den Innenteil. Wie eng war die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ulf K.?

Sie ist immer eng. Ich quäle den armen Ulf immer wieder mit Änderungswünschen, bis wir ein Ergebnis haben, mit dem wir beide superglücklich sind. Wenn ich zeichnen könnte (was ich nicht kann, bei mir sieht das immer aus, als ob ich eine Pizza als Unterlage benutze), würde ich gerne so zeichnen wie Ulf.

Seit Jesus liebt mich könnte man sich fragen: Ist David Safier eher gläubig oder abergläubisch?

Er glaubt daran, dass es gut ist, das Gute zu tun, egal ob es Gott gibt oder nicht.

Haben Sie ausgesprochene Lieblingsautoren (außer Douglas und Richard Adams ...)?

Ja, Carl Barkes, der die größten und besten Donald-Duck-Geschichten geschrieben hat.

David Safier