«Die Ballade von Max und Amelie»

Das große Abenteuer Liebe

Inhalt - Die Ballade von Max und Amelie

Die einäugige Hündin Narbe kann sich nicht vorstellen, dass eine wie sie jemals geliebt werden könnte. Doch dann verirrt sich der sanfte Hund Max zu der Müllkippe, auf der Narbe lebt. Er erzählt ihr von seinem wunderschönen Zuhause bei den Menschen und in der Hoffnung auf ein besseres Leben begleitet Narbe den Fremden auf die gefährliche Heimreise.

Unterwegs wird Max von Alpträumen geplagt, in denen die beiden ein Liebespaar sind, aber von einem Menschen getötet werden. Aber sind es wirklich Alpträume oder vielmehr Erinnerungen? Narbe wehrt sich anfangs dagegen, dass es ihr Schicksal sein soll, Max zu lieben. Doch kaum beginnt sie zaghaft an das Gute zu glauben, taucht der Mensch aus den Träumen auf...

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Leseprobe - Die Ballade von Max und Amelie

Ich sah Max das erste Mal, als ich noch nicht Amelie hieß. Auf der Müllkippe jener Stadt, die die Menschen Neapel nennen. Zu einer Zeit, in der ich noch nicht wusste, dass es noch andere Städte gibt oder gar andere Länder. Bevor ich die Bergkuppen im Nebel gesehen, das Salz des Meeres gerochen und den Hass unserer Verfolgerin gespürt hatte. Bevor ich ahnte, dass ich eine unsterbliche Seele besaß. Die Sonne stand hoch und brannte unerbittlich. Ich lag in einer schattigen Mulde, umgeben von Säcken, von denen ich einen mit den Zähnen aufgerissen hatte. Da war eine Fischdose, die ich ausschlecken wollte. Die Reste, die an den Innenseiten klebten, waren noch nicht so schlecht geworden, dass ich mir den Magen verderben würde. Gerade steckte ich meine Zunge hinein, ganz vorsichtig, damit ich mich nicht an den scharfen Rändern schnitt, da hörte ich, wie ein Hund die andere Seite des Müllbergs hochlief. Die Schritte waren schwerer als bei mir und meinen Geschwistern. Dieser Hund musste also größer sein. Ein Fremder. Ich nahm die Zunge aus der Dose, schaute den Müllberg hinauf und sah in der flirrenden Hitze, wie der fremde Hund die Kuppe erreichte. So einem war ich noch nie begegnet: Er war größer als alle Hunde, die auf der Müllkippe herumstreiften, mit langen schwarzen Haaren. In unserem Rudel hatten alle kurzes, sandfarbenes Fell. Die Einzige, die überhaupt ein paar dunklere Haare besaß, war ich. Ich hatte auf dem Rücken eine runde Stelle, die aussah wie matschige Erde. Wegen ihr hatte mir meine Mutter bei der Geburt den Namen Fleck gegeben. Meine Brüder und Schwestern hatten mich schon immer deswegen ausgelacht, herumgeschubst, manchmal sogar gequält. Dieser Stelle hatte ich es jedoch auch zu verdanken, dass ich seit meiner Jugend zu einer Kämpferin geworden war, die sich nichts gefallen ließ und dafür sorgte, dass ihre Geschwister sie mit Respekt behandelten. Bis zu jenem Tag, an dem Mama so krank wurde, dass mein großer Bruder Blitz die Führung des Rudels für sich beanspruchte. Ich hätte ihm nicht widersprechen dürfen. 

Hörbuch - Die Ballade von Max und Amelie